Heute geht’s mal international zu beim Me Made Mittwoch. Ich bin auf einer Geschäftsreise in Neu-Delhi, wir haben einen Messestand zusammen mit unserem indischen Vertreter. Catherine schreibt, dass nun klamottenmässig die kuschelige Jahreszeit anfängt und überraschenderweise trifft das auch auf Delhi zu. Da ich schon weiss, dass gerade in den wärmeren Ländern die Messehallen immer auf Kühlschranktemperatur runtergekühlt werden, habe ich mir am Wochenende noch schnell ein kuscheliges Wollröckchen genäht: den “Buttonless Beignet”. Mal wieder ein echtes Understatement-Teil: auf den ersten Blick unscheinbar, ein schmaler Rock eben, ja und? Aber der perfekte Sitz hat mich mehrere Stunden gekostet, dafür passt er jetzt auch wirklich super. Die Bluse ist “Smooth Sailing” von Wearing History, mittlerweile ein bisschen weit, aber wenn sie in den Rockbund gesteckt wird, geht es schon noch.
Der Rock ist gleichzeitig auch das Unterteil zu dem Kostüm, das ich mir für den Herbst machen will, die Jacke ist auch schon zum grossen Teil fertig, es fehlen nur noch ein paar Handsticheleien (die dann wahrscheinlich nochmal genausolange dauern, wie das Nähen des ganzen Blazers). Ausserdem ist der Rock ein echtes Refashioning-Projekt, denn ursprünglich hatte ich aus dem Stoff diesen Rock genäht, der mit im nachhinein überhaupt nicht gefallen hat. Aber der Stoff ist ein traumhafter Wollstoff und ich hatte aus dem Rest schon den Blazer zugeschnitten, so dass ich UNBEDINGT einen passenden Rock haben wollte. Also habe ich ihn aufgetrennt und wollte erst einen “richtigen” Beignet draus machen, aber der Stoff war zuwenig für den Knofpschluss, daher mit durchgehender Vorderbahn.
Hier erstmal ein Probelauf auf der heimischen Terasse – ist bequem, schaut gut aus und die Katze mag das Outfit auch.
Und hier das Bild von heute vom Messestand mit meinen indischen Jungs Ramesh, Sandeep, Vivek und Ranjeet.
Ich war heute morgen auf der Messe DIE Attraktion bei einer Gruppe von etwa 80 Schülerinnen oder Pfadfinderinnen oder was die auch immer waren. Erst standen sie alle um unseren Stand herum und haben gestarrt und dann wollten sie sich alle mit mir fotografieren lassen … das war wirklich ein seltsames Gefühl, ich kam mir vor wie der Affe im Zoo, irgendwie. Ob es an den Haaren lag oder an den Klamotten … ich weiss nicht. Vielleicht sehe ich ja für Inder total strange aus und sie wollte daheim alle mal zeigen, was für merkwürdige Leute die Europäer sind, wer weiss …
Ich durfte übrigens mein Strickzeug mit in den Flieger nehmen und habe in den sechseinhalb Stunden immerhin meinen halben Ärmel gestrickt, so war der Flug richtig kurzweilig und die Zeit sinnvoll ausgefüllt.
Und wie ist es in Neu-Delhi? Hm, leider muss ich gestehen, dass ich wenig berichten kann, da ich wirklich nur zu der Messe hergeflogen bin und grade mal abends noch ein bisschen was gesehen habe. Es ist recht warm und ziemlich wuselig, wie man das auch von anderen asiatischen Städten kennt, der Verkehr ist für unsere zartebesaitete westliche Seele eine Katastrophe und dann auch noch alles auf der falschen Strassenseite … hier möchte ich nicht auto, fahren müssen. Auf der Messe ist es recht schmutzig, verglichen mit Europa und ich habe ungesunderweise versucht, wenig zu trinken, damit ich ausserhalb des Hotels nicht auf die Toilette gehen muss. Zur Not geht’s schon, aber wir Europäer sind halt in Punkto Hygiene sehr verwöhnt.
Aaaaaber die Leute sind supernett, meine Gaastgeber haben sich sehr große Mühe gegeben und mir abends noch ein bisschen was von der Stadt gezeigt und mich auch zum Einkaufen geschleppt – Seide aus Kaschmir – nicht günstig, aber ein Traum von Stoff.
Und das Essen ist hier einfachen göttlich, wenn man gerne Gewürze und scharfe Sachen mag. Ich bin ja eigentlich kein Vegetarier, aber hier könnte man problemlos einer werden, ich glaube, Indien ist das Land mit der grössten Vielfalt an vegetarischen Gerichten überhaupt – kein Wunder, über 70% der Inder sind ja aus religiösen Gründen Vegetarier. Meine Lieblingsgerichte sind Dal, das ist eine Art Suppe oder Brei aus roten Linsen, auf tausenderlei verschiedene Arten gewürzt und ein Spinatgericht mit Paneer, dem indischen Frischkäse. Und natürlich das frischgebackene indische Fladenbrot mit Kräutern oder Knoblauch … soooo lecker! Und genau das werde ich jetzt gleich auch nochmal essen, hier ist es nämlich schon dreieinhalb Stunden später als in Good Old Germany also Zeit fürs Abendessen. Und gleichzeitig auch mein Abschiedsmahl, heute nacht um zwei geht mein Flieger nach Hause.


5. Oktober 2011 um 3:19 pm |
Boah, und ich habe schon rumgejammert, weil es bei Dir so leise im Blog war. Hatte völlig vergessen, dass Du nach Indien fliegst um mir Seide zu kaufen…….
Asche auf mein Haupt, so sorry.
Samstag gibt es Stoffmarkt in Da.ms.a.d und Flohmarkt.
Grüße
ich
5. Oktober 2011 um 8:37 pm |
Aus Indien! Oh, da möchte ich auch mal hin. Ich liebe nämlich vegetarisch, scharf und aromatisch! Nur mit der Hygiene hatte ich sicherlich auch meine Probleme. Aber zuerst müssen die Kinder sowieso etwas größer werden..
Dein Outfit sieht übrigens auch klasse aus.
Guten Heimflug und viele Grüße (auch an die Jungs, aber die siehst du ja wohl nicht mehr)
Rita
5. Oktober 2011 um 9:37 pm |
Absolute Klasse ! Power und Kompetenz ! Steht Dir super ! Darf ich sagen , dass ich Deine ” abgenommene ” Figur ganz toll finde ? Und sei nicht traurig , dass Du von Delhi nicht soviel gesehen hast …. nach 10 Tagen Indien vor 2 Jahren graust es mich immer noch , wenn ich an den Schmutz und die entsetzliche überall präsente Armut zurückdenke ( und im krassen Gegensatz dazu High Tech , Luxushotels und die Geschwindigkeit des Wachstums in einigen wirtschaftlichen Bereichen ) … Beim Essen stimme ich Dir uneingeschränkt zu : ich habe selten so lecker und variantenreich gegessen . Guten Heimflug und liebe Grüsse Dodo
6. Oktober 2011 um 8:33 am |
Hui, bist Du dünne geworden. Noch mal was gegangen? Das Outfit ist super. Röcke mit weissen Blusen werden eh unterschätzt. Ist der Gürtel Leo??????
Bussi!!
6. Oktober 2011 um 8:58 am |
Echt? Du durftest die Stricknadeln mit in den Flieger nehmen? Hast Du gefragt oder wurden die Bambusnadeln einfach nicht entdeckt?
Dein knopfloser Beignet sieht sehr hübsch aus mit der weißen Bluse!
Christel
6. Oktober 2011 um 12:42 pm |
Wer viel fragt, kriegt viel dumme Antworten
Ich hab sie einfach mitgenommen und gehofft. Und vorher eine Sicherheitsleine eingezogen, für den Fall, dass ich sie rausziehen muss. Ob man sie im Röntgen sieht oder nicht, weiss ich nicht, aber in FRA habe ich alles auspacken müssen, weil ich den eBook-Reader aus Versehen nicht rausgeommen hatte und mein Strickzeug lag weithin sichtbar auf dem Tisch, war überhaupt kein Problem. Ebenso auf dem Rückflug problemlos. Die Stewardeß wollte nur wissen, was ich denn Schönes stricke.
6. Oktober 2011 um 10:24 am |
Namaste! Das sieht sehr sehr gut! Mir gefällt der Rock richtig gut! Vorallem mit dem Gürtel! Du siehst sehr messewürdig damit aus
Viel Spaß in Indien wünscht die Honigbärenbiene
6. Oktober 2011 um 3:45 pm |
Das ist ein sehr schöner Rock und ich bin gespannt auf die Kombination mit Blazer!
In Indien würde ich vermutlich zum Magermodel (oder zumindest sehr knatschig) werden, denn ich bin gegen ganz viele Gewürze der indischen Küche allergisch. Aber das Fladenbrot hört sich sehr gut an!
Beste Grüße,
Juli
16. Januar 2012 um 2:00 pm |
[...] Der Buttonless oder auch Basic Beignet „BB“ – bereits 2011 genäht, und hier auch schon gezeigt. Die genaue Beschreibung der Schnittmuster-Änderungen folgt in Kürze. Das ist gleichzeitig auch [...]